Zielstrebig, erfahren, hart und konsequent: Helen Clark, die Unbesiegbare?

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Auf dem Blog #YourNextSG führt eine Frau seit Wochen die Umfra­ge nach der aus­sichts­reichs­ten Kan­di­da­tur für das Amt des UN-Gene­ral­se­kre­tärs an. Von vie­len beju­belt, dabei nicht unum­strit­ten, mobi­li­siert und pola­ri­siert Helen Clarks Kan­di­da­tur. Es ist an der Zeit, sich genau­er mit ihr zu befas­sen. Wer ist Helen Clark? Was treibt sie an? Wie ste­hen ihre Chan­cen?

509885749Wer Helen Clark schon ein­mal getrof­fen hat, den über­rasch­te ihre Kan­di­da­tur für das höchs­te Amt der Ver­ein­ten Natio­nen nicht. Die ehe­ma­li­ge neu­see­län­di­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin ist eine ziel­stre­bi­ge Füh­rungs­per­sön­lich­keit und befin­det sich fast dau­er­haft im Wahl­kampf­mo­dus, sei es für die Labour Par­ty, die Sustain­ab­le Deve­lop­ment Goals oder nun eben #Helen4SG. Ihre aktu­el­le Kam­pa­gne wird inten­siv via Soci­al Media beglei­tet, sie prä­sen­tiert sich als ambi­tio­niert und trotz­dem sehr nah­bar. Clark besuch­te die Haupt­städ­te aller 15 Mit­glied­staa­ten des Sicher­heits­rats, um für ihre Posi­tio­nen zu wer­ben. Ver­gan­ge­ne Woche reis­te sie für Gesprä­che mit Jour­na­lis­ten und Poli­ti­kern auch nach Ber­lin, um die poli­ti­sche Bedeu­tung der Bun­des­re­pu­blik zu unter­strei­chen.

In Deutsch­land beton­te sie die beson­de­re geo­po­li­ti­sche Kom­po­nen­te ihrer Kan­di­da­tur, da sie sich zwar als geo­gra­phi­sche Ver­tre­te­rin des Asi­en-Pazi­fik-Raums ver­steht, jedoch in ihrer poli­ti­schen Hal­tung die west­li­che Gesin­nungs­ord­nung ver­tritt. Dies geschieht sicher­lich auch vor dem Hin­ter­grund, dass sich vie­le ande­re Mit­glieds­staa­ten für die Bevor­zu­gung von Kan­di­da­ten aus Süd- oder Ost­eu­ro­pa aus­ge­spro­chen haben.

Außer­dem akzen­tu­iert sie wie­der­holt ihre „lea­dership expe­ri­ence“ und „brin­ging peop­le toge­ther skills“. In ihrer mehr als 30-jäh­ri­gen poli­ti­schen Kar­rie­re muss­te Clark die­se Fähig­kei­ten gezielt aus­bau­en, bei­spiels­wei­se als sie in wech­seln­den Koali­tio­nen regier­te. Helen Clark kom­mu­ni­ziert gera­de­her­aus, schnör­kel­los, direkt. Ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter beto­nen ihr Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und das Bestehen auf per­fek­te Vor­be­rei­tung. Gleich­zei­tig wird ihr zuwei­len über­mä­ßi­ge Kon­trol­le vor­ge­wor­fen. Im Lau­fe ihrer Amts­zeit ent­wi­ckel­te die neu­see­län­di­sche Oppo­si­ti­on den wenig schmei­chel­haf­ten Begriff „Helen­grad“ als Bezeich­nung für Clarks Regie­rungs­stil.

Nun hat sie es sich als Ziel gesetzt, die ers­te weib­li­che Gene­ral­se­kre­tä­rin der Ver­ein­ten Natio­nen zu wer­den. Schon wäh­rend ihrer poli­ti­schen Kar­rie­re war sie häu­fig die ers­te weib­li­che Beset­zung wich­ti­ger Pos­ten. Die prag­ma­ti­sche Neu­see­län­de­rin kennt das UN-Sys­tem schon lan­ge und hat im Lau­fe ihrer Kar­rie­re zwei Drit­tel der UN-Mit­glieds­staa­ten besucht. Seit 2009 lei­tet sie zudem das UN-Ent­wick­lungs­pro­gramm (UNDP) und brach­te in die­ser Zeit umfas­sen­de Reor­ga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men auf den Weg.

In ihrer Bewer­bung betont Clark, dass die Ver­ein­ten Natio­nen eine pro­gres­si­ve, pro­ak­ti­ve, effi­zi­en­te, fle­xi­ble und prak­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on wer­den müss­ten. Ihre Rele­vanz gel­te es zu stär­ken; vor allem vor dem Hin­ter­grund, dass sich vie­le Staa­ten unter­re­prä­sen­tiert fühl­ten und suk­zes­si­ve auf ande­re For­ma­te, wie bei­spiels­wei­se die G20, zurück­grei­fen. Auch nach Skan­da­len wie dem Kin­des­miss­brauch durch Blau­helm­sol­da­ten müs­se die Glaub­wür­dig­keit der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on wie­der­her­ge­stellt wer­den. Kri­sen und Pro­ble­me müss­ten lang­fris­ti­ger und nach­hal­ti­ger ange­gan­gen wer­den – das Ziel müs­se sein, Kri­sen pro­ak­tiv zu ver­hin­dern statt sie reak­tiv lösen zu müs­sen. Neben Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit und dem Fokus auf fra­gi­le Staa­ten ver­weist Clark auch auf die Her­aus­for­de­run­gen des Kli­ma­wan­dels. Die Ein­bli­cke durch ihre Arbeit bei UNDP ermög­li­chen ihr ein ganz­heit­li­ches Ver­ständ­nis der Hand­lungs­fel­der für die Umset­zung der 2030 Agen­da sowie der insti­tu­tio­nel­len Her­aus­for­de­run­gen, die damit zusam­men­hän­gen.

Doch Helen Clark ist nicht unum­strit­ten. So soll sie Berich­ten zufol­ge, eini­ge Kar­rie­ren ihrer UN-Mit­ar­bei­ter auf­grund fach­li­cher oder per­sön­li­cher Unstim­mig­kei­ten schon jäh been­det haben. Als sich eine UN-Funk­tio­nä­rin an einem Bericht zur Reak­ti­on von UNDP auf die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Sri Lan­ka betei­ligt habe, wur­de die­se von Clarks Stab aus der UN beför­dert. Man­chen Kol­le­gen tritt sie außer­dem zuwei­len zu aggres­siv und for­dernd auf. Es über­wie­gen jedoch die Beur­tei­lun­gen, Helen Clark sei eine kon­se­quen­te Mache­rin, die sich nicht vor lang­wie­ri­gen Gra­ben­kämp­fen scheue und umset­ze, was sie sich vor­neh­me.

Es bleibt abzu­war­ten, ob ihre Her­aus­for­de­rer Boko­va oder Guter­res das Ren­nen an ihrer Stel­le machen oder ob sie die Stim­men des Sicher­heits­rats auf sich ver­ei­nen kann. Der gro­ße Kon­sens ten­diert aktu­ell zur Wahl einer Frau für die Nach­fol­ge von Ban Ki-moon, wobei Boko­va auf­grund der Auf­nah­me Paläs­ti­nas in die UNESCO für die USA wohl kaum eine wähl­ba­re Kan­di­da­tin wäre. Laut Clark fällt die Ent­schei­dung hier­über vor­aus­sicht­lich im Okto­ber. Im Juli wer­de sich der Sicher­heits­rat mit den Kan­di­da­tu­ren befas­sen, im August gehe man in die Som­mer­pau­se, wäh­rend man im Sep­tem­ber zu sehr mit den aus­län­di­schen Staats- und Regie­rungs­chefs beschäf­tigt sei, die für die Gene­rals­ver­samm­lung nach New York kom­men.

Ob sich die zu Anfang erwähn­te aktu­el­le Umfra­ge auf #YourNextSG aller­dings bewahr­hei­ten wird, erfah­ren wir wohl erst im Okto­ber. Bis dahin kann jedoch noch eini­ges pas­sie­ren. Clark jedoch ist eine erfah­re­ne und aus­sichts­rei­che Kan­di­da­tin auf den Pos­ten des nächs­ten UN-Gene­ral­se­kre­tärs.

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