Vuk Jeremi?: Der Serbe möchte mehr Klartext sprechen – als un-Generalsekretär!

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2012 wur­de der damals 37-jäh­ri­ge Vuk Jere­mi? zum jüngs­ten Prä­si­den­ten der UN-Gene­ral­ver­samm­lung in der Geschich­te der Ver­ein­ten Natio­nen gewählt. Vier Jah­re spä­ter möch­te der in Bel­grad gebo­re­ne Ser­be UN-Gene­ral­se­kre­tär wer­den. Das wäre ein neu­er Höhe­punkt sei­ner bis dato stei­len Kar­rie­re. Sei­ne Chan­cen auf das Amt des UN-Chef­di­plo­ma­ten gal­ten lan­ge Zeit als gering, doch die ers­te gehei­me Vor­ab­stim­mung im UN-Sicher­heits­rat dürf­te ihn gestärkt haben. Durch­ge­si­cker­ten Infor­ma­tio­nen zu Fol­ge ist aus Diplo­ma­ten­krei­sen zu ver­neh­men, dass Jere­mi? Per­son in der ers­ten soge­nann­ten „Straw Poll“ durch­aus aus­sichts­reich abge­schnit­ten haben soll. Doch hat der jun­ge Ser­be tat­säch­lich eine Chan­ce, Nach­fol­ger Ban Ki-moons zu wer­den?

Jere­mi? Kar­rie­re ist beein­dru­ckend. Mit einem Abschluss in theo­re­ti­scher Phy­sik an der Uni­ver­si­tät Cam­bridge und einem Mas­ter­ab­schluss in Public Admi­nis­tra­ti­on der Uni­ver­si­tät Har­vard aus­ge­stat­tet, arbei­te­te Jere­mi? zunächst für ver­schie­de­ne Ban­ken in Lon­don. Nach dem Sturz des Milo­se­vic-Regimes im Jahr 2000 kehr­te er in sei­ne Hei­mat zurück und wech­sel­te in die Poli­tik. 2003 war Jere­mi? Son­der­be­auf­trag­ter des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums für Ver­bin­dun­gen zur NATO und EU, bis 2007 dann außen­po­li­ti­scher Bera­ter des dama­li­gen ser­bi­schen Staats­prä­si­den­ten Boris Tadic. Zwi­schen 2007 und 2012 war Vuk Jere­mi? Außen­mi­nis­ter Ser­bi­ens, bevor er nach New York in die Gene­ral­ver­samm­lung wech­sel­te. Sei­ne Nomi­nie­rung für den Pos­ten des UN-Gene­ral­se­kre­tärs ist der logi­sche nächs­te Schritt in sei­ner beruf­li­chen Kar­rie­re, zumal die Chan­cen für ost­eu­ro­päi­sche Kandidat*innen nie so gut­stan­den.

Was Jeremi? verbessern möchte

Security Council Stakeout on resolutions on the United Nations Interim Administration Mission in Kosovo

Vuk Jere­mi? setzt bei sei­ner Wahl­kampf­stra­te­gie auf Trans­pa­renz und Klar­text. In der aktu­el­len Kri­sen­zeit in der sich die Ver­ein­ten Natio­nen sei­ner Mei­nung nach befin­den, sind vor allem feh­len­de Glaub­wür­dig­keit, schwer nach­voll­zieh­ba­re Pro­zes­se und der Man­gel an deut­li­chen Wor­ten für die Pro­ble­me ver­ant­wort­lich. Er for­dert eine domi­nan­te Per­sön­lich­keit an der Spit­ze der UN, die die Orga­ni­sa­ti­on wie­der auf Kurs bringt. Jere­mi? fin­det, dass sich die Ver­ein­ten Natio­nen ver­mehrt von der Gepflo­gen­heit diplo­ma­ti­scher Net­tig­kei­ten und Zurück­hal­tung ent­fer­nen müs­sen und mehr ziel­füh­ren­der Klar­text gespro­chen wer­den muss. Die neue Gene­ral­se­kre­tä­rin oder der neue Gene­ral­se­kre­tär soll dabei mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen. Momen­tan hiel­te sich die Orga­ni­sa­ti­on zu viel mit Dis­kus­si­on auf, anstatt aktiv zu wer­den.

Ein gro­ßes Pro­blem will Jere­mi? im sin­ken­den glo­ba­len Anse­hen der UN erken­nen. Wäh­rend die Orga­ni­sa­ti­on einer­seits in tief­grei­fen­den Kon­flik­ten wie in Syri­en über­for­dert ist, schreibt sie ande­rer­seits auf­grund von sexu­el­len Über­grif­fen der Blau­helm­sol­da­ten nega­ti­ve Schlag­zei­len. Der dar­aus resul­tie­ren­de Image­ver­lust trifft die UN schwer. Vuk Jere­mi? will die­sen Ereig­nis­sen ent­ge­gen­steu­ern und Pro­ble­me in der Welt­po­li­tik sowie Feh­ler im UN-Sys­tem auf­ar­bei­ten. Die UN muss mehr huma­ni­tä­re Ver­ant­wor­tung über­neh­men und sich stär­ker in der Kon­flikt­prä­ven­ti­on enga­gie­ren, for­dert er. Soll­te Jere­mi? Gene­ral­se­kre­tär wer­den, so wür­de er mit­tels exter­ner Unter­su­chung die inter­nen Män­gel der Orga­ni­sa­ti­on auf­ar­bei­ten wol­len und die­se an die Öffent­lich­keit wei­ter­lei­ten.

Jeremi? als Generalssekretär – „worst case“ für den Kosovo

Als Außen­mi­nis­ter Ser­bi­ens bau­te Jere­mi? ab 2007 vor allem zur Tür­kei und zu Russ­land gute Bezie­hun­gen auf, bei west­li­chen Diplomat*innen sorg­te er hin­ge­gen für Ent­täu­schung. Mit der Aus­sa­ge „Der Koso­vo ist unser Jeru­sa­lem“, tour­te er durch die Welt und mach­te sich gegen die Unab­hän­gig­keit der Regi­on im Süden Ser­bi­ens stark. Dem­entspre­chend war die Aner­ken­nung der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo durch den Inter­na­tio­na­len Gerichts­hof 2010 ein her­ber Schlag für sei­ne Poli­tik als Außen­mi­nis­ter. Ser­bi­en wehrt sich jedoch, im Gegen­satz zu vie­len EU-Län­dern, den Koso­vo als unab­hän­gi­gen Staat anzu­er­ken­nen. Wäh­rend sich der Koso­vo in New York um eine Mit­glied­schaft bei den Ver­ein­ten Natio­nen bemüht, dürf­te die Wahl eines Ser­ben zum nächs­ten UN-Gene­ral­se­kre­tär allen koso­va­ri­schen Anstren­gun­gen einen Rie­gel vor­schie­ben. Soll­te dies pas­sie­ren, wür­de aus der Ent­schei­dung des Sicher­heits­ra­tes eine höchst poli­ti­sche wer­den und Öl ins Feu­er im noch immer schwe­len­den Kon­flikt zwi­schen Koso­vo und Ser­bi­en gie­ßen.

Vuk Jere­mi? ist erfolg­reich, tüch­tig und domi­nant. Er hat kla­re Vor­stel­lun­gen für die Zukunft der UN und ist gewillt, die­se wie­der auf Kurs zu brin­gen. Sei­ne Ver­gan­gen­heit und sei­ne Her­kunft dürf­ten für den Fort­schritt und die Öff­nung der UN nach außen jedoch eher pro­ble­ma­tisch sein. Die USA, Frank­reich und das Ver­ei­nig­te König­reich haben den Koso­vo aner­kannt, Jere­mi? tut es nicht. Das dürf­te zu sei­nem Stol­per­stein im Wahl­kampf wer­den. Den Koso­vo-Kon­flikt mit ins Büro des Gene­ral­se­kre­tärs zu tra­gen, kann den Ver­ein­ten Natio­nen nicht gut­tun.

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