Von pr zur #DigitalDiplomacy: Zum Einsatz der sozialen Medien im “Wahlkampf” um den Posten des UN-Generalsekretärs

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In einem ers­ten Post haben die Freun­de von medium.com her­aus­ge­ar­bei­tet, dass die Nut­zung der sozia­len Medi­en (noch und lei­der) eher ver­kün­den­den Cha­rak­ter bei der Wahl zum oder zur nächs­ten UN-Gene­ral­se­kre­tä­rin hat. Die Ver­ein­ten Natio­nen kom­men also nur lang­sam in der kom­mu­ni­ka­ti­ven Rea­li­tät der sozia­len Medi­en an. Dabei wäre, wie Dani­el­le Cave, vom Lowy Insti­tut Think Tank, beob­ach­tet, #Digi­tal­Di­plo­ma­cy mehr Über­zeu­gungs­ar­beit denn rei­ne PR.

Es ist eine Sache, Bot­schaf­ten und Botschafter*innen … zu erlau­ben, Face­book, Twit­ter und Ins­ta­gram Kon­ten zu erstel­len und die­se zu benut­zen, um Bekannt­ma­chun­gen zu ver­öf­fent­li­chen… es ist eine kom­plett ande­re Sache, die­sen Diplomat*innen zu erlau­ben, die­se Kon­ten zu benut­zen um poli­ti­sche Posi­tio­nen dar­zu­stel­len, sie zu ver­fech­ten oder ver­tei­di­gen. Ers­te­res ist Öffent­lich­keits­ar­beit, letz­te­res ist Digi­ta­le Diplo­ma­tie.”

Von der Zivil­be­völ­ke­rung moti­viert den Pro­zess zu eröff­nen, führ­te Rycroft den Weg mit fünf Fra­gen an die Kandidat*innen aus sei­nem Soci­al Media Feed an. Mehr als nur ein­fach die Bot­schaft zu ver­brei­ten, lei­tet die Dele­ga­ti­on von Groß­bri­tan­ni­en (@UKUN_NewYork) eine eigen­stän­di­ge Soci­al Media Kam­pa­gne. Ziel: Uns als Öffent­lich­keit davon zu über­zeu­gen, dass die bri­ti­sche Regie­rung sich wirk­li­ch für Trans­pa­renz im Aus­wahl­pro­zess des/der neu­en Generalsekretär*in enga­giert! Wäh­rend vie­le glau­ben, dass sie nur eben­so glück­li­ch wie die Rus­sen sind, dass ihr Veto im Sicher­heits­rat ihnen eine immen­se Rol­le im undurch­sich­ti­gen Aus­wahl­gre­mi­um für die­se Posi­ti­on geben wird.

Es scheint fast so, als ob die Prä­senz auf Twit­ter eine not­wen­di­ge Bedin­gung für das Gene­ral­se­kre­tärs-Amt ist. Um etwas Frei­heit zu haben mit zwei Stim­men zu spre­chen, öff­ne­te Neu­see­lands Kan­di­da­tin und UNDP Admi­nis­tra­to­rin Helen Clark (@HelenClarkUNDP) ein par­al­le­les Kon­to (@Helen4SG). Iri­na Boko­va dage­gen hat noch nicht ihre zwei­er­lei Iden­ti­tä­ten als akti­ve inter­na­tio­na­le Beam­tin und Kan­di­da­tin getrennt, was dann auch beschränkt, wie und zu wel­chen The­men sie sich wird äußern kön­nen.

Screen Shot 2016-05-08 at 17.17.39Igor Lukši?, Kan­di­dat für Mon­te­ne­gro (@I_Luksic), die Kroa­tin Ves­na Pusi? (@vpusic), und der Slove­ne Dani­lo Türk (@_DaniloTurk) kamen als Politiker*innen ins Ren­nen und mit schon exis­tie­ren­den Kon­ten. Die Mol­da­vin Nata­lia Gher­man (@Natalia_Gherman) trat Twit­ter erst die­se Woche bei. Der ehe­ma­li­ge por­tu­gie­si­sche Pre­mier­mi­nis­ter Antó­nio Guter­res, wel­cher ver­spro­chen hat die UN von Akro­ny­men zu befrei­en, hat kein Kon­to. Eben­so kein Twit­ter Kon­to hat der Maze­do­ni­er Srg­jan Kerim.

Als Rycroft Helen Clark befrag­te, wie sie Soci­al Media als Gene­ral­se­kre­tä­rin benut­zen wür­de, hat­te sie nicht genug Zeit für eine aus­rei­chen­de Ant­wort und das ver­deut­lich­te eine wei­te­re Schwä­che die­ses „trans­pa­ren­ten“ Pro­zes­ses. Er war über­eilt und zu ver­ein­facht! Bom­bar­diert von einer Flut an Fra­gen von Mit­glied­staa­ten, schlit­ter­ten die Kandidat*innen durch ihre Ant­wor­ten oder beant­wor­te­ten sie erst gar nicht. Eine Anschluss­de­bat­te gab es fast gar nicht.

Guter­res und Clark bewie­sen, dass Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für das Amt sind. Bringt es wirk­li­ch wei­ter, wenn über Twit­ter The­men wie die­ses in 140 Zei­chen aus­ge­tauscht wer­den: „Ich sah einen Tweet aus der Öffent­lich­keit, dass deren größ­te Sor­ge sei, dass Helen Clark auf­hö­ren wird ihre eige­nen Tweets zu schrei­ben, sobald sie Gene­ral­se­kre­tä­rin ist“. Es reicht für ein net­tes Zitat, aber ist Twit­ter wirk­li­ch rele­vant im Wahl­kampf um das Amt des/der Generalsekretär*in?

Die Wahr­heit ist, dass bei feh­len­der Ein­heit der Gene­ral­ver­samm­lung, der Pro­zess bis­lang noch nicht die Macht der fünf Veto-Mäch­te ver­rin­gert hat. Die­se sind die­je­ni­gen, die wirk­li­ch den oder die nächs­te Generalsekretär*in aus­wäh­len wer­den. Die ern­s­te Debat­te wird mit einer Rei­he von Pro­be­ab­stim­mun­gen im geschlos­se­nen Sit­zungs­saal des Sicher­heits­rats Ende die­ses Jah­res begin­nen.

Die infor­mel­len Dia­lo­ge und die Ver­wen­dung von Soci­al Media haben einen beschei­de­nen Wert, aller­dings in der Ver­öf­fent­li­chung gera­de der Infor­ma­tio­nen, die nicht der Öffent­lich­keit all­seits bekannt sind. Das schließt einen Tweet von Rycroft von 16:45 Uhr der fina­len Anhö­run­gen am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag mit ein: „Drei wei­te­re Anhö­run­gen heu­te für #NextSG. Ver­bes­ser­ter Aus­wahl­pro­zess. Wei­te­re Chan­cen zu #AskNextSG sobald wei­te­re Kandidat*innen ver­kün­det wer­den“.

Das bedeu­tet, dass aller Wahr­schein­lich­keit nach eine wei­te­re Run­de infor­mel­ler Dia­lo­ge statt­fin­den wird, aber trotz des Ver­spre­chens Din­ge in der Öffent­lich­keit zu machen, fin­det wei­ter­hin viel Lob­by­ing im Hin­ter­grund statt. Gerüch­ten zufol­ge trach­ten auch der ehe­ma­li­ge aus­tra­li­sche Pre­mier­mi­nis­ter Kevin Rudd (@MrKRudd) und die argen­ti­ni­sche Außen­mi­nis­te­rin Sus­ana Mal­cor­ra (@SusanaMalcorra) Gene­ral­se­kre­tä­rin zu wer­den und, wie mein Kol­le­ge Richard Gowan (@RichardGowan1) kürz­li­ch schrieb, wer­den sie vor­aus­sicht­li­ch zur Aus­wahl der zwei­ten Run­de gehö­ren.

Die­se Infor­ma­tio­nen wer­den noch nicht auf deren eige­nen Twit­ter Feeds erschei­nen, aber es ist mög­li­ch in Echt­zeit zu sehen, wo sie sind und mit wem sie sich tref­fen (z.B. Lob­by­ing). Als die ernann­ten Kandidat*innen im Sit­zungs­saal des UN Treu­hand­ra­tes für die Gesprä­che waren, tweete­te Mal­cor­ra, Ban Ki-moon´s ehe­ma­li­ge Kabi­netts­che­fin, dass sie in Mos­kau war, angeb­li­ch mit einer Han­dels­de­le­ga­ti­on um den Außen­mi­nis­ter Ser­gey Lav­rov zu tref­fen.

Seit­dem sie Bans Büros auf dem 38. Stock­werk der UN ver­las­sen hat, zeigt ihr Twit­ter Feed, dass sie Washing­ton, Lon­don und Paris besuch­te um Regie­rungs­chefs und ande­re hohe Funk­tio­nä­re zu tref­fen. Viel­leicht sehen wir sie auch bald in Bei­jing. In den Haupt­städ­ten und den Büros der stän­di­gen Ver­tre­tun­gen der UN in New York fin­den die wirk­li­ch wich­ti­gen Gesprä­che im Wett­streit um den oder die nächs­te Generalsekretär*in statt. Sobald der Deal abge­schlos­sen ist, wird der Rest von uns sicher­li­ch das ers­te Mal davon auf Twit­ter lesen.

Der Bei­trag geht auf den Arti­kel “Is @UN Real­ly Catching up With Rea­li­ty” zurück. Über­tra­gen ins Deut­sche hat ihn unse­re Auto­rin Ann-Chris­ti­ne Nie­pelt.

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