Über Rabenmütter und den Bundestag — Im Interview mit Mdb Franziska Brantner

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Jeden Monat stellt der Arbeits­kreis für Gen­der­ge­rech­tig­keit der DGVN eine weib­li­che Füh­rungs­po­si­ti­on aus den inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen vor, um jun­ge Frau­en dazu ermu­ti­gen, an sich selbst zu glau­ben und sich eine Kar­rie­re in einem inter­na­tio­na­len Umfeld zuzu­trau­en. Damit knüp­fen wir an das The­ma der 61. Frau­en­rechts­kom­mis­si­on und deren The­ma „Die wirt­schaft­li­che Stär­kung von Frau­en in der sich ver­än­dern­den Arbeits­welt” an und und  sor­gen dafür, dass mehr weib­li­che Vor­bil­der sicht­bar wer­den. 
Fran­zis­ka Brant­ner enga­giert sich seit ihres Stu­di­ums inter­na­tio­nal für die Umset­zung der Gleicht­stel­lung der Geschlech­ter. Nach­dem sie län­ger in einer bera­ten­den Funk­ti­on gear­bei­te­te hat, ent­schied sie sich für den Wech­sel in die akti­ve Poli­tik. War­um sie die­se Arbeits­welt noch nicht als fami­li­en­un­freund­lich sieht und was die getan hat um dies zu ver­bes­sern könnt ihr in unse­rem 10. Inter­view lesen. 

1. Bit­ten stel­len Sie sich kurz vor und beschrei­ben Sie Ihre der­zei­ti­ge Tätig­keit.

Ich bin momen­tan Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te für den Wahl­kreis Hei­del­berg in der Funk­ti­on der euro­pa­po­li­ti­schen Spre­che­rin und par­la­men­ta­ri­schen Geschäfts­füh­re­rin der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen. Ich bin Mit­glied des Aus­schuss für Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on und stell­ver­tre­ten­des Mit­glied im Aus­wär­ti­gen Aus­schuss.

 

2. Könn­ten Sie Ihren Aus­bil­dungs- und Kar­rie­re­weg kurz beschrei­ben?

Ich habe das Dop­pel­di­plom­stu­di­um der Sci­ence Po in Paris und der School of Inter­na­tio­nal and Public Affairs an der Colum­bia in New York absol­viert. Danach habe ich an der Uni­ver­si­tät Mann­heim zur Reform­fä­hig­keit der Ver­ein­ten Natio­nen pro­mo­viert. Wäh­rend und nach dem Stu­di­um war ich aktiv bei der UN-Frau­en­rechts­kom­mis­si­on, beim EU Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons, forsch­te an der Uni­ver­si­tät Oxford und arbei­te­te für die Ber­tels­mann Stif­tung in Brüs­sel. Dann ent­schied ich mich mei­ne bera­ten­de Funk­ti­on zu ver­las­sen und eine akti­ve Rol­le in der Poli­tik zu über­neh­men, für ein star­kes und fai­res Euro­pa, sowie für Men­schen- und Frau­en­rech­te. Ich war vier Jah­re als Abge­ord­ne­te im Euro­pa­par­la­ment tätig und wur­de 2013 in den Bun­des­tag gewählt.

 

3. Inwie­fern ist Ihnen auf ihrem Wer­de­gang jeg­li­che Art von Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund ihres Geschlechts begeg­net?

In vie­len Fäl­len ist es schwer, Dis­kri­mi­nie­rung kon­kret zu benen­nen. Im Euro­pa­par­la­ment war ich noch recht jung und wur­de des­we­gen immer wie­der gefragt, für wel­chen Ange­ord­ne­ten ich arbei­te. Damals wur­de “jung, blond, Frau” direkt mit “ist Mit­ar­bei­te­rin von XY” ver­bun­den. Da muss­te ich immer ent­geg­nen, dass ich die Abge­ord­ne­te bin. Rück­bli­ckend wür­de ich sagen, dass es schwie­ri­ger wur­de als mei­ne Toch­ter gebo­ren wur­de. Poli­tik ist (noch) kei­ne fami­li­en­freund­li­che Welt und da wur­de ich häu­fig mit einem vor­wurfs­vol­len Ton gefragt, wer sich denn jetzt um mei­ne Toch­ter küm­me­re. Mei­ne männ­li­chen Kol­le­gen, auch jun­ge Väter, bekom­men sol­che Fra­gen nicht.

Im Euro­pa­par­la­ment war es viel nor­ma­ler, dass man Kin­der hat und die­se mit zur Arbeit bringt, dies liegt am fami­li­en­freund­li­chen Kli­ma der ande­ren euro­päi­schen Län­dern. Inter­es­sant hier­bei ist zum Bei­spiel, dass es für “Raben­mut­ter” kei­ne Über­set­zung in ande­ren Spra­chen gibt. Die Fra­ge “Frau Brant­ner, wie schaf­fen sie das denn?” Oder Kom­men­ta­re wie “Das arme Kind!”, hört man in Brüs­sel nur von Deut­schen und Öster­rei­chern. Aus die­sem Grund habe ich zusam­men mit Kris­ti­na Schrö­der, Kat­ja Kip­ping und Dag­mar Schmid frak­ti­ons­über­grei­fend eine Arbeits­grup­pe von jun­gen Eltern gegrün­det um auf die­sen Miss­stand auf­merk­sam zu machen. Denn wir alle haben kei­ne Lust mehr uns per­ma­nent dafür zu ent­schul­di­gen, dass wir Müt­ter sind. Die Arbeit des Bun­des­tag pro­fi­tiert davon, dass Müt­ter aktiv Poli­tik mit­ge­stal­ten.

 

4. Haben Sie einen Rat­schlag für jun­ge Frau­en in der Arbeits­welt, ins­be­son­de­re im inter­na­tio­na­len Kon­text?

Das Wich­tigs­te ist, dass man immer das macht, was man hun­dert­pro­zen­tig will und wor­auf man Lust hat. Seid immer hin­ter den Auf­ga­ben her, die euch Ener­gie geben und mini­miert alles, was euch Ener­gie nimmt. Ver­gesst auch nicht, euch mit Leu­ten zu  umge­ben, die ihr schätzt und von denen Ihr etwas ler­nen könnt.
Wenn ich aktu­el­le femi­nis­ti­sche Debat­ten mit denen aus mei­ner Jugend
ver­glei­che, habe ich oft den Ein­druck eines Déjà-vue: der reflex­ar­ti­ge Auf­schrei der Öffent­lich­keit, dass wir zu viel for­dern und über­trei­ben ist immer noch der­sel­be. Anders sind hier nur die For­men der Aus­drucks­wei­se der Empö­rung der Öffent­lich­keit übers Inter­net wie zum Bei­spiel bei #metoo oder #Auf­schrei. Des­halb der Wunsch an euch immer wei­ter zu machen, denn erst wenn wir hart­nä­ckig und lang genug mit allen Feminist*innen gemein­sam gekämpft haben, kön­nen wir unser Ziel errei­chen.

 

Die­ses Inter­view wur­de von Shi­la Block geführt.

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