Die Stunde der Frau! — #GenderAKtion Interview mit Angela Kane

#ItsYourUN > Allgemein > Die Stunde der Frau! — #GenderAKtion Interview mit Angela Kane

Ange­la Kane ist ehe­mals rang­höchs­te Deut­sche im UNO-Sys­tem und ihre Leis­tung schlug selbst unter Gene­ral­se­kre­tä­ren Wel­len: Kofi Ann­an bat sie eine Son­der­mis­si­on im Kon­go zu lei­ten und Ban Ki-moon berief sie zur Unter-Gene­ral­se­kre­tä­rin für Manage­ment, der größ­ten Abtei­lung in der UNO. Nach einer kur­zen Som­mer­pau­se folgt nun das 2. Inter­view unse­rer Inter­viewrei­he zu weib­li­chen Füh­rungs­po­si­tio­nen in den inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen:

1. Bit­te stel­len Sie sich kurz vor und beschrei­ben Sie Ihre der­zei­ti­ge Tätig­keit?

 

Nach mei­ner Pen­sio­nie­rung von der Uno im August 2015 bin ich nach Euro­pa über­ge­sie­delt, und zwar nach Wien. Ich war bereits im Bei­rat einer nicht­staat­li­chen Organ­sa­ti­on (NGO), dem Vien­na Cen­ter for Dis­ar­ma­ment and Non-Pro­li­fe­ra­ti­on, die mir eine Funk­ti­on als “Seni­or Fel­low” anbo­ten, und so habe ich seit­dem dort ein Büro und bin wei­ter­hin im Abrüs­tungs­be­reich tätig. Dane­ben habe ich eine Gast­pro­fes­sur bei der Paris School of Inter­na­tio­nal Affairs (Sci­en­ce­s­Po), und unter­rich­te im Früh­jahrs­se­mes­ter eine Grup­pe von “gra­dua­te stu­dents”.  Ich bin Vize­di­rek­to­rin bei einer ande­ren Wie­ner NGO, dem Inter­na­tio­nal Insti­tu­te for Peace, und Vor­sit­zen­de des Bei­rats der Dia­lo­gue Advi­so­ry Group in Ams­ter­dam. Ich bin Mit­glied der “GEM”: Group of Emi­nent Per­sons of the Com­pre­hen­si­ve Test Ban Orga­ni­za­ti­on, Wien sowie Mit­glied des Euro­pean Lea­dership Net­work, Lon­don. Auch bin ich im Bei­rat der United Nati­ons Uni­ver­si­ty (mit Sitz in Tokio), sowie fol­gen­den wei­te­ren Bei­rä­ten: Unicef Deutsch­land, Secu­ri­ty Coun­cil Report (New York), Gene­va Cen­ter for Secu­ri­ty Poli­cy (Gene­va), Rese­arch Cen­ter for Nuclear Aboli­ti­on (RECNA), Naga­sa­ki Uni­ver­si­ty, Japan.Ich wer­de sehr oft zu Vor­trä­gen ein­ge­la­den und bin viel auf Rei­sen, daher noch sehr aktiv im poli­ti­schen Leben!

 

2. Könn­ten Sie Ihren Aus­bil­dungs- und Kar­rie­re­weg kurz beschrei­ben?

Ich bin in Hameln an der Weser gebo­ren und auf­ge­wach­sen; habe in Mün­chen, Bryn Mawr Col­le­ge in Penn­syl­va­nia und an der Johns Hop­kins School of Advan­ced Inter­na­tio­nal Stu­dies in Washing­ton stu­diert. Nach Auf­ent­hal­ten (und Arbeit) in Washing­ton, Den Haag, Paris und Bang­kok lan­de­te ich 1977 in New York und fing bei der Uno an. Das “War­um Uno” ist schnell beant­wor­tet: ich hat­te kein Arbeits­vi­sum für die USA und so war die Uno die ein­zi­ge Mög­lich­keit, zu arbei­ten. Mein Kar­rie­re fing beschei­den an.

Auf­grund guter Eng­lisch­kennt­nis­se bestand ich die Prü­fung als “Editor/Writer” und fing in dem Depart­ment of Public Infor­ma­ti­on an. Nach einem knap­pen Jahr kam ich in das Büro Wald­heims, des dama­li­gen Gene­ral­se­kre­tärs, der jeman­den such­te, der sowohl in Eng­lisch wie auch in Deutsch arbei­ten konn­te. Das war rie­sig span­nend und ich habe bis zum Ende sei­ner Amts­zeit in sei­nem Büro gear­bei­tet. Danach ging ich drei Jah­re nach Jakar­ta, zunächst bei UNDP, wur­de dann aber nach einem Jahr gebe­ten, in das Büro des Minis­ters für Fami­li­en­pla­nung zu wech­seln, der jeman­den für sei­ne Aus­lands­be­zie­hun­gen such­te, und so war ich zusam­men mit einem Fili­pi­no die Ein­zi­ge, die in ein 600-Per­so­nen star­kes Minis­te­ri­um ein­ge­bet­tet war.

Danach zurück nach New York, wo ich in den nächs­ten Jah­ren poli­ti­sche Arbeit mach­te. Erst in der Abrüs­tungs­ab­tei­lung, von dort wur­de ich zum Ver­hand­lungs­team für die Frie­dens­ver­hand­lun­gen in El Sal­va­dor rekru­tiert (Sprach­kennt­nis­se machen sich immer bezahlt!) und danach wur­de ich in das Büro von Gene­ral­se­kre­tär Bou­tros-Gha­li beru­fen, in dem ich drei Jah­re blieb und poli­ti­sche Beauf­tra­ge für Latein Ame­ri­ka sowie für Euro­pa war.  Durch die Krie­ge im frü­he­ren Jugo­sla­wi­en war das eine inter­es­san­te aber auch sehr anstren­gen­de Tätig­keit. So ver­lie­fen die ers­ten 18 Jah­re bei der UNO.

In der Zeit stieg ich von P-2 auf D-1 auf. 1995 wur­de ich Direk­to­rin (D-2) im Depart­ment of Public Infor­ma­ti­on und lei­te­te eine gro­ße Abtei­lung von 250 Mit­ar­bei­tern, die sich mit Ver­öf­fent­li­chung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al und ihrer Ver­trei­bung sowie der Dag-Hammarsk­jöld-Biblio­thek befass­te. Es war am Anfang des Digi­tal­zeit­al­ters und ich habe die Web­site der UNO erstellt. Es gehör­te eigent­lich gar nicht in mei­nen Arbeits­be­reich, aber ich zeig­te Inter­es­se (und auch Vor­kennt­nis­se) und so bat mich der Unter-Gene­ral­se­kre­tär, die­se Auf­ga­be zu über­neh­men. Die­ser Ein­satz hat nicht nur Spaß gemacht, son­dern brach­te mich auch in ganz ande­re Arbeits­krei­se.

Von dort ging ich in die Poli­ti­sche Abtei­lung, als Direk­to­rin ver­ant­wort­lich für Nord- und Süd­ame­ri­ka sowie Euro­pa. Eine gro­ße Ver­ant­wor­tung, da ich für die Vor­be­rei­tung der Tref­fen des Gene­ral­se­kre­tärs sor­gen muss­te, mit Sprech­zet­teln, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und auch Pro­to­kol­le der Sit­zun­gen schrei­ben muss­te. 2002 bat mich Gene­ral­se­kre­tär Kofi Ann­an, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin (Depu­ty Spe­cial Rep­re­sen­ta­ti­ve of the Secreta­ry-Gene­ral) einer PKO zu wer­den, und so ging ich nach Äthio­pi­en-Eri­trea zu UNMEE, wo ich andert­halb Jah­re blieb. Wäh­rend mein Chef die poli­ti­schen Ver­hand­lun­gen lei­te­te, war ich für 4,200 Trup­pen und mehr als 500 Mit­ar­bei­ter ver­ant­wort­lich, reis­te selbst viel in bei­den Län­dern sowie auch in ande­re afri­ka­ni­sche Staa­ten — eine Erfah­rung, die mei­nen poli­ti­schen Hori­zont deut­lich ver­brei­ter­te.

2004 kehr­te ich nach New York zurück und wur­de Assi­stant Secreta­ry-Gene­ral in dem “Depart­ment for Gene­ral Assem­bly and Con­fe­rence Manage­ment” — eine Abtei­lung, die für die Orga­ni­sa­ti­on aller Sit­zun­gen und Kon­fe­ren­zen ver­ant­wort­lich ist, für alle Über­set­zer, alle Dol­met­scher, alle Doku­men­te, die die Uno her­aus­gibt — eine Abtei­lung, die fast 20% des regu­lä­ren Haus­hal­tes aus­gibt. Es war eine gro­ße Ver­ant­wor­tung, die ich dort über­nahm. Wäh­rend die­ser Zeit wur­de ich von Kofi Ann­an gebe­ten, eine Son­der­mis­si­on in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go zu über­neh­men: eine Unter­su­chung von sexu­el­ler Aus­beu­tung der Sol­da­ten sowie von Uno-Beam­ten, die gera­de bekannt gewor­den war, und so ging ich für eini­ge Mona­te nach Kin­sha­sa und reis­te auch viel im Land selbst. Der Bericht resul­tier­te nicht nur in der Über­füh­rung von eini­gen Tätern, son­dern auch in einer Neu-Ori­en­tie­rung und Anwei­sung, wie man mit dem The­ma umge­hen muss.

2006 bekam ich den Pos­ten des Assi­stant Secreta­ry-Gene­rals in der Poli­ti­schen Abtei­lung; ich war für Nord- und Süd­ame­ri­ka, für Euro­pa, für den Nahen Osten und für Asi­en ver­ant­wort­lich — eine Rie­sen­auf­ga­be, die mich mit vie­len Pro­ble­men kon­fron­tier­te, mich aber auch in vie­le Län­der führ­te. Man hat­te nie eine Pau­se, konn­te  auch im Urlaub nicht abschal­ten — aber es war rie­sig inter­es­sant und ich möch­te es nicht mis­sen. Ich reis­te auch sehr viel als poli­ti­sche Bera­te­rin mit dem Gene­ral­se­kre­tär; erst mit Kofi Ann­an, dann Ban Ki-moon. Ban Ki-moon berief mich dann 2008 als Unter-Gene­ral­se­kre­tä­rin für Manage­ment — die größ­te Abtei­lung des Uno-Sekre­ta­ri­ats über­haupt. Die­se Stel­le hat­te ich vier Jah­re inne, län­ger als vie­le mei­ner Vor­gän­ge­rin­nen, die oft nur ein Jahr oder andert­halb Jah­re blie­ben. Es war eine har­te Zeit, in der ich
viel mit den Mit­glieds­staa­ten über den Haus­halt ver­han­deln muss­te, Refor­men durch­ge­setzt habe, eine Erneue­rung des “Admi­nis­tra­ti­on of Jus­ti­ce” ein­ge­führt habe.

Mein letz­ter Pos­ten war dann als Hohe Reprä­sen­tan­tin für Abrüs­tung, ein Pos­ten, den ich über drei Jah­re inne­hat­te und der mit der Review Con­fe­rence für den Atom-Sperr­ver­trag 2015 ende­te — der lei­der ohne Schluss­do­ku­ment blieb. Ich habe meh­re­re Jah­re über mein Pen­si­ons­al­ter (60) hin­aus gear­bei­tet — oft wer­de ich gefragt, wel­cher von den vie­len Pos­ten ich am liebs­ten aus­ge­übt habe. Das ist nicht leicht zu beant­wor­ten: in jedem Pos­ten habe ich etwas dazu­ge­lernt, etwas bei­tra­gen kön­nen, es immer inter­es­sant gefun­den. Es waren Auf­ga­ben, die span­nend waren, bei denen ich mit guten und fähi­gen Mit­ar­bei­tern zusam­men­ar­bei­ten konn­te, und dafür bin ich dank­bar.

 

3. Inwie­fern ist Ihnen auf ihrem Wer­de­gang jeg­li­che Art von Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund ihres Geschlechts begeg­net?

Als ich in den sieb­zi­ger Jah­ren anfing, zu arbei­ten, war die Welt für Frau­en noch anders gestrickt. Als ich gleich nach dem Stu­di­um in Washing­ton bei dem Aus­lands­kor­re­spon­den­ten des “Spie­gels” anfing zu arbei­ten, wur­de mir ver­spro­chen, ich wür­de als Jour­na­lis­tin aus­ge­bil­det, dürf­te Arti­kel mit vor­be­rei­ten und spä­ter auch selbst schrei­ben. Es stell­te sich aller­dings her­aus, dass ich auch nach eini­gen Mona­ten wei­ter­hin im Büro den Emp­fang mach­te und Kor­re­spon­denz schrieb: sehr viel mehr Sekre­tä­rin als jour­na­lis­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin.

Die zwei­te Erfah­rung war eben­so ernüch­ternd: ich arbei­te­te bei der Welt­bank und bewarb mich in das Young Pro­fes­sio­nals Pro­gram, durch­lief alle Sta­tio­nen erfolg­reich — jedoch wur­de mir am Ende erklärt, dass man mich nicht in das Pro­gramm auf­neh­men könn­te, denn mein Mann sei noch an sei­ner Dok­tor­ar­beit tätig und so sei das Risi­ko zu groß, dass ich absprin­gen wür­de, sowie er fer­tig sei — die Inves­ti­ti­on in mei­ne Aus­bil­dung lohn­te sich nicht.

Auch bei der Uno — wie in ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen — gibt es Dis­kri­mi­nie­rung, aber es geht wesent­lich sub­ti­ler zu. Offe­ne Dis­kri­mi­nie­rung ist tabu, aber auch heu­te noch gibt es Mög­lich­kei­ten, Frau­en zu über­ge­hen, sie in Dis­kus­sio­nen zu über­trump­fen, ihnen weni­ger inter­es­san­te Arbeit zu über­tra­gen — es gibt vie­le For­men, und man erkennt sie nach eini­gen Jah­ren in der Arbeits­welt. Auch sexu­el­le Beläs­ti­gung gibt es noch, und man darf nicht ver­ges­sen, dass in der Uno vie­le Men­schen und Kul­tu­ren auf­ein­an­der­tref­fen, deren Gebräu­che und Sit­ten oft sehr unter­schied­lich sind. Fühlt man sich dis­kri­mi­niert, muss man sich gezielt dage­gen weh­ren: bestimmt, sach­lich, kühl über­le­gen. Und sofort.

 

4. Haben Sie einen Rat­schlag für jun­ge Frau­en in der Arbeits­welt, ins­be­son­de­re im inter­na­tio­na­len Kon­text?

Ich wäre gern noch­mal zwan­zig Jah­re jün­ger, denn jetzt schlägt die Stun­de der Frau. Vor allen in höhe­ren Posi­tio­nen, in Chef­eta­gen, wer­den Frau­en gesucht und mein Rat ist fol­gen­der: bit­te gleich bewer­ben, nicht zögern, nicht den­ken, für den Pos­ten bist du nicht voll qua­li­fi­ziert! Was man nicht kann, lernt man dazu. Män­ner sind da viel uner­schro­cke­ner. Bit­te mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men, sich mel­den für ver­ant­wor­tungs­vol­le Pos­ten, bereit sein, ins Aus­land zu gehen, nicht zu lan­ge auf einem Pos­ten hocken, weil man den ja kennt und sich in dem Bereich wohl­fühlt.

Lie­ber mal das Neue wagen, das Unge­wis­se — und wenn man mal stol­pert, dann steht man halt wie­der auf und macht was ande­res. Kei­ner kann eine erfolg­rei­che Kar­rie­re garan­tie­ren, aber jeder Weg hat ein Ziel, auch wenn man es vor­her viel­leicht noch nicht über­se­hen kann. Aber immer vor­aus­schau­en — und zu allen Kol­le­gen, auch im Umfeld, hilfs­be­reit und freund­lich sein, kei­ne unnö­ti­gen Fein­de machen, net­wor­king ist sehr nütz­lich.

Und damit wün­sche ich viel Erfolg!

 

Die­ses Inter­view wur­de von Eva Rit­te geführt.

2 Comments on “Die Stunde der Frau! — #GenderAKtion Interview mit Angela Kane
  1. Valu­able infor­ma­ti­on. For­tu­n­a­te me I found your web­site acci­dent­al­ly, and
    I’m sho­cked why this twist of fate didn’t took place in advan­ce!
    I book­mar­ked it.

  2. Ever­y­thing com­po­sed made a gre­at deal of sen­se. But, think
    about this, sup­po­se you typed a catchier tit­le? I ain’t say­ing your con­tent is not good, howe­ver what if you added some­thing that
    grab­bed a person’s atten­ti­on? I mean Die Stun­de der Frau!

    — #Gen­der­AK­ti­on Inter­view mit Ange­la Kane |
    #ItsYou­rUN is a litt­le boring. You ought to glance at Yahoo’s home page and see how they crea­te
    news tit­les to grab peop­le inte­rested. You might add a video
    or a rela­ted pic or two to get readers inte­rested about everything’ve writ­ten. Just my opi­ni­on, it could bring
    your blog a litt­le bit more inte­res­ting.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × vier =