Das Feld sortiert sich: Neues aus dem Wahlkampf um das Amt des UN-Generalsekretärs

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Einer der wich­tigs­ten Wahl­kämp­fe, die in die­sem Jahr auf die Welt­ge­mein­schaft zukom­men, geht in sei­ne ent­schei­den­de Pha­se – und die Rede ist hier natür­li­ch nicht von der US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl, son­dern von der des nächs­ten Gene­ral­se­kre­tärs der Ver­ein­ten Natio­nen. Bis Okto­ber will sich der UN-Sicher­heits­rat auf einen Kan­di­da­ten eini­gen, den er der Gene­ral­ver­samm­lung zur Ernen­nung vor­schla­gen wird. Zuvor soll eine Rei­he von Pro­be­ab­stim­mun­gen das Feld der Bewer­ber aus­dün­nen.

Wer am Ende das Ren­nen macht, ist aber noch kaum abzu­se­hen. Vie­le Beob­ach­ter fürch­ten, dass es am Ende zu gekreuz­ten Vetos kom­men könn­te, bei denen die USA und Russ­land wech­sel­sei­tig die Favo­ri­ten des jeweils ande­ren Lan­des durch­fal­len las­sen. Auf der Stre­cke blei­ben könn­te auch die bis­lang größ­te Errun­gen­schaft die­ser Wahl: das neue trans­pa­ren­te­re Ver­fah­ren, durch das nicht mehr nur die Super­mäch­te-Ver­träg­lich­keit der Kan­di­da­ten, son­dern das Wohl­er­ge­hen der Welt­ge­mein­schaft ins­ge­samt im Mit­tel­punkt ste­hen soll­te.

Das neue Verfahren

Zur Erin­ne­rung: Der UN-Gene­ral­se­kre­tär wird for­mal von der Gene­ral­ver­samm­lung auf Vor­schlag des Sicher­heits­rats gewählt. In der Pra­xis schlägt der Sicher­heits­rat jedoch immer nur einen ein­zel­nen Kan­di­da­ten vor, der dann von der Gene­ral­ver­samm­lung abge­nickt wird. Da zudem bei der Nomi­nie­rung die stän­di­gen Sicher­heits­rats­mit­glie­der USA, Russ­land, Chi­na, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en jeweils ein Veto­recht haben, beschränk­te sich das Aus­wahl­ver­fah­ren bis­lang fak­ti­sch auf Ver­hand­lun­gen zwi­schen die­sen fünf Groß­mäch­ten. Und häu­fig einig­ten sie sich dabei auf weit­ge­hend pro­fil­lo­se und uncha­ris­ma­ti­sche Diplo­ma­ten, deren wich­tigs­te Stär­ke dar­in bestand, nir­gend­wo anzu­ecken. Der der­zei­ti­ge Amts­trä­ger Ban Ki-moon ist wohl das bes­te Bei­spiel dafür.

In den letz­ten Jah­ren jedoch setz­te sich ein Bünd­nis von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen fürRefor­men im Wahl­ver­fah­ren ein: Um von den Groß­mäch­ten unab­hän­gi­ger zu wer­den, soll­te der Gene­ral­se­kre­tär künf­tig nur noch für eine Amts­zeit antre­ten kön­nen. Zudem soll­te der Sicher­heits­rat nicht mehr nur einen, son­dern min­des­tens zwei Kan­di­da­ten vor­schla­gen, sodass die Gene­ral­ver­samm­lung ein ech­tes Mit­spra­che­recht bekä­me. Und anstel­le von intrans­pa­ren­ten Hin­ter­zim­mer­ge­sprä­chen soll­te es einen kla­ren Zeit­plan geben, bei dem die Bewer­ber vor der Wahl öffent­li­ch ihre poli­ti­schen Visio­nen für die UN dar­le­gen soll­ten.

Ein eigenartiger Wahlkampf

Die­se For­de­run­gen wur­den von vie­len UN-Mit­glied­staa­ten auf­ge­grif­fen, aber von Russ­land, Chi­na und den USA blo­ckiert. Nur der letz­te Vor­schlag wur­de in die Tat umge­setzt: Im Dezem­ber 2015 for­der­te der Prä­si­dent der Gene­ral­ver­samm­lung, der Däne Mogens Lykketoft (S/SI-PA), die Mit­glied­staa­ten auf, mög­lichst früh­zei­tig mög­li­che Bewer­ber zu benen­nen. Ins­ge­samt tra­ten zwölf Kan­di­da­ten an, die sich im April, Juni und Juli 2016 in der Gene­ral­ver­samm­lung den Fra­gen der Mit­glied­staa­ten stell­ten. Dar­über hin­aus fan­den zivil­ge­sell­schaft­li­ch orga­ni­sier­te Debat­ten statt, in denen sich die Kan­di­da­ten vor einem brei­te­ren Publi­kum prä­sen­tier­ten.

Das Ergeb­nis die­ses neu­en Ver­fah­rens war ein inter­es­san­ter und etwas eigen­ar­ti­ger Wahl­kampf. Wenigs­tens eini­ge der Kan­di­da­ten such­ten aktiv die Öffent­lich­keit, etwa die Neu­see­län­de­rin Helen Clark (NZLP/PA), deren Twit­ter-Kam­pa­gne immer­hin auf eine fünf­stel­li­ge Zahl an Fol­lo­wern kommt. Ande­re hin­ge­gen hiel­ten sich erkenn­bar zurück – in dem Bewusst­sein, dass sie für ihre Wahl am Ende eben nicht die Welt­be­völ­ke­rung, ja nicht ein­mal die Gene­ral­ver­samm­lung über­zeu­gen müs­sen, son­dern in ers­ter Linie die fünf­zehn Mit­glie­der des Sicher­heits­rats. (Außer dem fünf Veto­mäch­ten sind das der­zeit die Regie­run­gen von Ägyp­ten, Ango­la, Japan, Malay­sia, Neu­see­land, Sene­gal, Spa­ni­en, der Ukrai­ne, Uru­gu­ay und Vene­zue­la.)

Probeabstimmungen im Sicherheitsrat

Wie erfolg­reich die ein­zel­nen Kan­di­da­ten mit ihrer Stra­te­gie jeweils waren, zeigt sich in die­sen Wochen: Ende Juli führ­te der Sicher­heits­rat eine ers­te, am 5. August eine zwei­te Pro­be­ab­stim­mung

(straw poll)

durch, bei denen jedes der fünf­zehn Rats­mit­glie­der zu jedem Kan­di­da­ten eine Stim­me abge­ben kann. Unmit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen haben die­se Abstim­mun­gen aller­dings nicht; offi­zi­ell geht es ledig­li­ch dar­um, den Bewer­bern zur Fort­set­zung ihrer Kan­di­da­tur „zuzu­ra­ten“

(encourage)

oder „abzu­ra­ten“

(discourage)

. Auch Ent­hal­tun­gen sind mög­li­ch.

In den ers­ten Pro­be­ab­stim­mun­gen wer­den dabei die Stim­men aller Rats­mit­glie­der gleich behan­delt, um ein all­ge­mei­nes Stim­mungs­bild zu erhal­ten. In spä­te­ren Run­den hin­ge­gen geben die fünf stän­di­gen Mit­glie­der ihre Stim­men geson­dert ab – denn natür­li­ch zählt das

discourage

einer Veto­macht in der Pra­xis mehr als das einer Regie­rung, die gege­be­nen­falls auch über­stimmt wer­den kann. Erst wenn sich dann nach einer Rei­he von Pro­be­ab­stim­mun­gen ein kla­rer Favo­rit abzeich­net, wird der Sicher­heits­rat auch for­mal über die­sen Kan­di­da­ten abstim­men.

(Wie es im hin­ter­zim­mer­ver­lieb­ten Sicher­heits­rat so ist, sind die

straw polls

übri­gens alle nicht-öffent­li­ch. Offi­zi­ell erfah­ren außer den Mit­glie­dern des Sicher­heits­rats nur die Kan­di­da­ten selbst, wie sie in dem Stim­mungs­bild abge­schnit­ten haben. Die­se Geheim­nis­krä­me­rei ist aller­dings nicht nur „der Ver­ein­ten Natio­nen unwür­dig“, wie Gene­ral­ver­samm­lungs­prä­si­dent Lykketoft jüngst for­mu­lier­te, son­dern auch weit­ge­hend nutz­los: In der Pra­xis dau­er­te es bei den ers­ten bei­den Pro­be­ab­stim­mun­gen jeweils nur weni­ge Stun­den, bis die Ergeb­nis­se an die Medi­en durch­ge­sto­chen wur­den. Eine Über­sicht der kol­por­tier­ten Ergeb­nis­se in Tabel­len­form fin­det sich am Ende die­ses Arti­kels.)

Bewegung unter den Favoriten

Nach der ers­ten Pro­be­ab­stim­mung hat eine ers­te Bewer­be­rin, die Kroa­tin Ves­na Pusi? (HNS/LI), ihre Kan­di­da­tur bereits zurück­ge­zo­gen: Mit nur zwei

encourage,

elf

discourage

und zwei Ent­hal­tun­gen nahm sie nicht nur im Ran­king den letz­ten Platz ein; es stand auch mathe­ma­ti­sch fest, dass min­des­tens eine der fünf Veto­mäch­te gegen sie votiert haben mus­s­te.

In Wirk­lich­keit war Pusi? frei­li­ch von Anfang an nur als Außen­sei­te­rin in das Ren­nen gegan­gen. Aber auch unter den Favo­ri­ten kam durch die

straw polls

eini­ge Bewe­gung. Hier eine Über­sicht über die Kan­di­da­ten mit den bes­ten Aus­sich­ten, die Wahl am Ende tat­säch­li­ch zu gewin­nen.

Irina Bokova

Irina Bokova.

Noch nie­mals war eine Frau UN-Gene­ral­se­kre­tä­rin, noch nie­mals ein Men­sch aus Ost­eu­ro­pa – und vie­le Mit­glied­staa­ten sind der Mei­nung, das müs­se sich dies­mal ändern. Eine der ers­ten Favo­ri­tin­nen für die dies­jäh­ri­ge Wahl war des­halb die Bul­ga­rin Iri­na Boko­va (BSP/SI-PA), seit 2009 Gene­ral­se­kre­tä­rin der UNESCO, die auch die bevor­zug­te Kan­di­da­tin der Veto­macht Russ­land sein soll. Zum Pro­blem könn­te für sie aller­dings wer­den, dass sie 2011 den UNESCO-Bei­tritt Paläs­ti­nas unter­stütz­te – gegen den hef­ti­gen Wider­stand der USA, die als Reak­ti­on sogar ihre Bei­trags­zah­lun­gen an die UNESCO ein­stell­ten.

Zwar ist sie auch mit der Fami­lie der US-Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Hil­la­ry Clin­ton (Dem./PA) befreun­det; ob das genü­gen wird, um sie vor einem ame­ri­ka­ni­schen Veto zu bewah­ren, ist jedoch zwei­fel­haft. Im ers­ten straw poll lan­de­te Boko­va mit neun Entou­ra­ge und vier dis­cou­ra­ge noch auf dem drit­ten Platz, im zwei­ten rutsch­te sie mit einem 7:7-Ergebnis auf den fünf­ten Rang ab.

Helen Clark

Die größ­te Ver­lie­re­rin der ers­ten Pro­be­ab­stim­mun­gen war jedoch Helen Clark (NZLP/PA). Die frü­he­re neu­see­län­di­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin, die seit 2009 das UN-Ent­wick­lungs­pro­gramm UNDP lei­tet, hat­te unter den Gene­ral­se­kre­tärskan­di­da­ten den öffent­lichs­ten Wahl­kampf geführt. Mit ihrer star­ken Per­sön­lich­keit stieß sie unter vie­len Beob­ach­tern auf Sym­pa­thie, und auch für die Buch­ma­cher galt sie bald als Spit­zen­rei­te­rinim Ren­nen um die Wahl.

Unter den Mit­glie­dern des Sicher­heits­rats hin­ge­gen kam Clarks Wahl­kampf offen­bar nicht all­zu gut an. Bei den Pro­be­ab­stim­mun­gen lan­de­te sie (mit 8:5 in der ers­ten und 6:8 in der zwei­ten Run­de) nur im Mit­tel­feld.

António Guterres

Der über­ra­schen­de Gewin­ner der bei­den ers­ten Pro­be­ab­stim­mun­gen war hin­ge­gen der Por­tu­gie­se Antó­nio Guter­res (PS/SI-PA), eben­falls frü­he­rer Pre­mier­mi­nis­ter sowie bis Ende 2015 UN-Hoch­kom­mis­s­ar für Flücht­lin­ge. Obwohl Guter­res? Eig­nung für das Amt von Anfang an von kaum jeman­dem in Zwei­fel gezo­gen wur­de, galt er als männ­li­cher West­eu­ro­pä­er zunächst nur als Außen­sei­ter­kan­di­dat. Mit einem Ergeb­nis von 12:0 im ers­ten

straw poll

wur­de er jedoch über Nacht zum Favo­ri­ten.

Auch in der zwei­ten Run­de schnitt er von allen Kan­di­da­ten am bes­ten ab, wenn auch etwas schlech­ter als zuvor (11:2). Aller­dings gibt es Gerüch­te, nach denen sich unter den zwei dis­cou­ra­ge-Stim­men auch die Veto­macht Russ­land befin­det, die auf einem ost­eu­ro­päi­schen Kan­di­da­ten beharrt.

Susana Malcorra

Sus­ana Mal­cor­ra (Cambiemos/–), bis 2015 Büro­lei­te­rin von Ban Ki-moon und der­zeit argen­ti­ni­sche Außen­mi­nis­te­rin, erklär­te erst spät ihre Kan­di­da­tur. Nicht zuletzt in Abgren­zung zu Helen Clark mach­te sie dabei von Anfang an deut­li­ch, dass sie bei den Ver­ein­ten Natio­nen nicht all­zu viel ver­än­dern will: Der Gene­ral­se­kre­tär sei „kein Welt­prä­si­dent“ und müs­se vor allem gut mit den stän­di­gen Mit­glie­dern des Sicher­heits­rats zurecht­kom­men. Nicht zuletzt des­halb gilt sie auch als Favo­ri­tin der US-Regie­rung.

Aber natür­li­ch ist auch Mal­cor­ra kei­ne Ost­eu­ro­päe­rin, und so könn­te auch sie an einem rus­si­schen Veto schei­tern. Zudem schei­nen eini­ge der nicht-stän­di­gen Rats­mit­glie­der nicht ganz von ihrer gezielt unam­bi­tio­nier­ten Hal­tung über­zeugt zu sein: Bei den bis­he­ri­gen straw polls schnitt sie gut, aber nicht über­ra­gend ab (7:4, 8:6).

Soll­te das Kri­te­ri­um der regio­na­len Her­kunft am Ende mehr zäh­len als die Geschlech­ter­fra­ge, so ste­hen noch zwei wei­te­re Ost­eu­ro­pä­er bereit: der Slo­we­ne Dani­lo Türk (par­tei­los) und der Ser­be Vuk Jere­mi? (par­tei­los, frü­her DS/SI-PA).
Bei­de erziel­ten in den Pro­be­ab­stim­mun­gen recht gute Ergeb­nis­se (Türk: 11:2, 7:5, Jere­mi?: 9:5, 8:4), aber auch gegen sie gibt es Vor­be­hal­te: Türks lang­jäh­ri­ger Schwer­punkt auf Men­schen­rechts­fra­gen ist wohl nicht die bes­te Aus­gangs­la­ge, um von Russ­land oder Chi­na gewählt zu wer­den. Und Jere­mi? wehr­te sich wäh­rend sei­ner Zeit als ser­bi­scher Außen­mi­nis­ter bis 2012 vehe­ment gegen die Unab­hän­gig­keit des Koso­vo, was wie­der­um bei den USA, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en nicht all­zu gut ankam.

Oder jemand ganz anderes?

Die Ver­hand­lun­gen, die in den nächs­ten Wochen im Sicher­heits­rat anste­hen, dürf­ten also nicht ein­fach wer­den – und so bleibt die Befürch­tung, dass als Kom­pro­miss zwi­schen den Groß­mäch­ten am Ende doch noch eine Kan­di­da­tin oder ein Kan­di­dat zum Zuge kom­men könn­te, der bis­lang über­haupt nicht auf der Bewer­ber­lis­te steht.

Immer wie­der erwähnt wird dabei die Bul­ga­rin Kris­ta­li­na Geor­gie­va (GERB/IDU), der­zeit Vize­prä­si­den­tin für Haus­halt der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on. Schon im ver­gan­ge­nen Win­ter hat­te die bul­ga­ri­sche Regie­rung ihre Nomi­nie­rung in Erwä­gung gezo­gen, letzt­li­ch aber der schein­bar aus­sichts­rei­che­ren Iri­na Boko­va den Vor­zug gege­ben. Aber immer­hin: Auch Geor­gie­va ist eine Frau aus Ost­eu­ro­pa, hat inter­na­tio­na­le Erfah­rung – und wür­de bei den USA wohl auf weni­ger Vor­be­hal­te sto­ßen.

Ein ande­rer Name, der sich hart­nä­ckig in der Gerüch­te­kü­che hält, ist der­je­ni­ge der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU/CDI-IDU). Auch sie wäre eine Frau, die sich den Respekt der Groß­mäch­te nicht erst erar­bei­ten müss­te; zudem hat sie in letz­ter Zeit eini­ges dar­an gesetzt, um mög­li­che Kon­flik­te mit Russ­landChi­na und Groß­bri­tan­ni­en mög­lichst zu ent­schär­fen. Das Amt als UN-Gene­ral­se­kre­tä­rin wäre für sie die Gele­gen­heit, um ihre Kanz­ler­schaft recht­zei­tig vor der Bun­des­tags­wahl 2017 im Tri­um­ph zu been­den – vor­aus­ge­setzt natür­li­ch, dass sie dar­an über­haupt inter­es­siert ist und nicht noch ein wei­te­res Mal antre­ten will.

Lässt die Generalversammlung die Muskeln spielen?

Doch ganz egal, wie gut Geor­gie­va oder Mer­kel für den Pos­ten geeig­net sein mögen: Soll­te der Sicher­heits­rat eine von ihnen nomi­nie­ren, wäre das für die Ver­ein­ten Natio­nen ein Rück­schlag. Denn es wäre ein fata­les Zei­chen dafür, dass wie­der ein­mal die (schwie­rig mit­ein­an­der zu ver­söh­nen­den) Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen der Veto­mäch­te im Sicher­heits­rat wich­ti­ger gewe­sen wären als die For­de­rung nach einem fai­ren und nach­voll­zieh­ba­ren Ver­fah­ren. Von der Reform, durch die die Wahl des neu­en Gene­ral­se­kre­tärs struk­tu­rier­ter, trans­pa­ren­ter und letzt­li­ch auch ein wenig demo­kra­ti­scher wer­den soll­te, wäre dann über­haupt nichts mehr übrig.

Für die Reform­freun­de in der Gene­ral­ver­samm­lung könn­te jetzt des­halb der rich­ti­ge Zeit­punkt sein, um vor­sorg­li­ch ein wenig die Mus­keln spie­len zu las­sen. Denn natür­li­ch benö­tigt der nächs­te Gene­ral­se­kre­tär nach sei­ner Nomi­nie­rung durch den Sicher­heits­rat auch noch die Wahl durch die Gene­ral­ver­samm­lung. Wenn eine grö­ße­re Grup­pe von Mit­glied­staa­ten jetzt ankün­di­gen wür­de, dass sie nur einen der elf bis jetzt bekann­ten Kan­di­da­ten wäh­len und jeden ande­ren durch­fal­len las­sen wird, dann könn­te das die Ver­hand­lun­gen im Sicher­heits­rat durch­aus beein­flus­sen.

Eine sol­che Initia­ti­ve könn­te bei­spiels­wei­se von der ACT-Grup­pe oder den block­frei­en Staa­ten aus­ge­hen, die sich am nach­drück­lichs­ten für die Ver­fah­rens­re­form ein­ge­setzt haben. Aber war­um nicht auch von der deut­schen Bun­des­re­gie­rung? Es wäre ohne Zwei­fel eine Gele­gen­heit, um der UN-Gene­ral­ver­samm­lung neue Bedeu­tung zu ver­lei­hen und sich um die Ver­ein­ten Natio­nen ver­dient zu machen.

Übersicht

Die fol­gen­de Tabel­le zeigt die Ergeb­nis­se der ers­ten bei­den Pro­be­ab­stim­mun­gen. (12:0:3 bedeu­tet dabei: 12 encou­ra­ge-Stim­men, 0 dis­cou­ra­ge-Stim­men, 3 Ent­hal­tun­gen.) Die Kan­di­da­ten sind in der Rei­hen­fol­ge ihres Ergeb­nis­ses bei der zwei­ten Pro­be­ab­stim­mung gelis­tet.

Kan­di­dat Land/
Regio­nal­grup­pe
bis­he­ri­ge Tätig­keit straw poll
21.7.2016
straw poll
5.8.2016
Antó­nio Guter­res
PS/SI-PA
Por­tu­gal
West­eu­ro­pa u.a.
1995–2002 nat. Regie­rungs­chef
2005–15 UNHCR
12:0:3 11:2:2
Vuk Jere­mi?
par­tei­los
Ser­bi­en
Ost­eu­ro­pa
2007-12 nat. Außen­mi­nis­ter
2012–13 Prä­si­dent der UN-Gene­ral­ver­samm­lung
9:5:1 8:4:3
Sus­ana Mal­cor­ra
Cambiemos/–
Argen­ti­ni­en
Latein­ame­ri­ka
2012–15 Lei­te­rin UN Exe­cu­ti­ve Office
seit 2015 nat. Außen­mi­nis­te­rin
7:4:4 8:6:1
Dani­lo Türk
par­tei­los
Slo­we­ni­en
Ost­eu­ro­pa
2007-12 nat. Staats­prä­si­dent 11:2:2 7:5:3
Iri­na Boko­va
BSP/SI-PA
Bul­ga­ri­en
Ost­eu­ro­pa
seit 2009 UNESCO-Gene­ral­di­rek­to­rin 9:4:2 7:7:1
Srg­jan Kerim
par­tei­los
Maze­do­ni­en
Ost­eu­ro­pa
2000-01 nat. Außen­mi­nis­ter
2007-08 Prä­si­dent der UN-Gene­ral­ver­samm­lung
9:5:1 6:7:2
Helen Clark
NZLP/PA
Neu­see­land
West­eu­ro­pa u.a.
1999–2008 nat. Regie­rungs­che­fin
seit 2009 Lei­te­rin des UNDP
8:5:2 6:8:1
Chris­ti­a­na Figue­res
PLN/SI
Cos­ta Rica
Latein­ame­ri­ka
2010–16 Gene­ral­se­kre­tä­rin UNFCCC 5:5:5 5:8:2
Igor Lukši?
DPS/SI-PA
Mon­te­ne­gro
Ost­eu­ro­pa
2010-12 nat. Ex-Regie­rungs­chef
seit 2012 nat. Außen­mi­nis­ter
3:7:5 2:6:7
Miros­lav Laj?ák
SMER/SI
Slo­wa­kei
Ost­eu­ro­pa
seit 2012 nat. Außen­mi­nis­ter 7:3:5 2:9:4
Nata­lia Gher­man
PLDM/IDU
Mol­da­wi­en
Ost­eu­ro­pa
2013–16 nat. Außen­mi­nis­te­rin 4:4:7 3:10:2
Ves­na Pusi?
HNS/LI
Kroa­ti­en
Ost­eu­ro­pa
2011–16 nat. Außen­mi­nis­te­rin 2:11:2 Kan­di­da­tur zurück­ge­zo­gen

 

Quel­le für die Resul­ta­te der Pro­be­ab­stim­mun­gen: 1for7­bil­lionWFUNA.
Bil­der: UN Photo/Manuel Eli­as [CC BY-NC-ND 2.0], via Flickr; Irina_Bokova.jpg: Iri­na Boko­va, deri­va­ti­ve work: TCY (Irina_Bokova.jpg) [CC BY 2.5], via Wiki­me­dia Com­mons; United Nati­ons Deve­lop­ment Pro­gram­me (helen clark) [CC BY 2.0], via Wiki­me­dia Com­mons; US Mission/Eric Bri­diers [CC BY-ND 2.0], via Flickr; Elza Fiuza/Agência Bra­sil [CC BY 3.0 br], via Wiki­me­dia Com­mons; IAEA Image­bank [CC BY-SA 2.0], via Wiki­me­dia Com­mons.

Die­ser Bei­trag erschien zuer­st auf dem Blog “Der (euro­päi­sche) Föde­ra­list”

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