Außen- und Sicherheitspolitik feministisch gedacht: Die UN-Resolution 1325 als politische Praxis

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Schwe­den und Cana­da gel­ten als Vor­rei­ter der „Femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik“ – und das zu Recht! Denn die Regie­run­gen die­ser bei­den Län­der trei­ben nicht nur die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter und die gen­der­sen­si­ble Bear­bei­tung aller poli­ti­schen The­men in ihrer In- und Außen­po­li­tik vor­an, son­dern bei­de Regie­rungs­chefs bezeich­nen sich selbst aus­drück­lich als Femi­nis­ten und for­dern die­ses State­ment auch vom Rest ihrer Regie­rungs­mit­glie­der ein. Doch was genau zeich­net femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik aus? Wie setzt man eine solch eine Poli­tik um? Und vor allem wie posi­tio­niert sich Deutsch­land, wenn es um Gleich­stel­lung und Außen­po­li­tik geht?

Raum für die Dis­kus­si­on über all die­se Fra­gen bat die Ver­an­stal­tung „Auf zu einer femi­nis­ti­schen Außen­po­li­tik! Außen­po­li­ti­sche Kon­zep­te aus Schwe­den, Kana­da und Deutsch­land“ von Polis 180 in Koope­ra­ti­on mit der kana­di­schen und schwe­di­schen Bot­schaft am 08.03.2018 im Fel­le­shus der nor­di­schen Bot­schaf­ten.

Warum eine feministische Außenpolitik sinnvoll ist

Im Jahr 2015 ver­ab­schie­de­te Schwe­den sei­nen Akti­ons­plan für eine femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik. Kana­da zog nach mit einer femi­nis­ti­schen Aus­rich­tung sei­ner Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Eine femi­nis­ti­sche Außen- und Ent­wick­lungs­po­li­tik haben ent­schei­den­de Vor­tei­le. Stärkt man Mäd­chen und Frau­en welt­weit, hat dies Aus­wir­kun­gen auf die Gesell­schaft, Wirt­schaft und inter­na­tio­na­le Sicher­heit. Im 21. Jahr­hun­dert kann es sich kein Staat mehr leis­ten, die Hälf­te sei­ner Bevöl­ke­rung von der Wirt­schaft und Teil­ha­be an der Gesell­schaft aus­zu­schlie­ßen.

Johan Fri­sell, Gesand­ter und stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der schwe­di­schen Bot­schaft in Deutsch­land, in der Dis­kus­si­on mit Teil­neh­me­rin­nen. Foto: Mathis Römer

Ent­wick­lungs­hil­fe führt hier häu­fig zu Spill-Over-Effek­ten: Inves­tiert man in eine bes­se­re Bil­dung für Mäd­chen beson­ders in Ent­wick­lungs­län­dern, stärkt man so ihr Selbst­be­wusst­sein und ihren Platz in der jewei­li­gen Gesell­schaft, was zu einem selbst­be­stimm­te­ren Leben und zu einer men­schen­wür­di­gen und bezahl­ten Arbeit für Frau­en resul­tie­ren kann. Nur um eini­ge Zah­len zu nen­nen: Nur 20% aller Land­be­sit­zer sind Frau­en, 830 Frau­en ster­ben jeden Tag wäh­rend einer Geburt oder den Fol­gen davon, Frau­en leis­ten drei­mal so viel unbe­zahl­te Arbeit wie Män­ner und eine von fünf Mäd­chen und Frau­en erlitt in den letz­ten 12 Mona­ten Gewalt von ihrem Part­ner. Der Hand­lungs­be­darf ist hier also groß, Empower­ment nötig und Inves­ti­tio­nen der Ent­wick­lungs­hil­fe in Mäd­chen und Frau­en sinn­voll. Erst wenn die Erträ­ge der Ent­wick­lungs­po­li­tik die ärms­te Frau des Lan­des erreicht haben, dann kann man sicher sein, dass die gesam­te Gesell­schaft erreicht wur­de, so Johan Fri­sell, Lei­ter der schwe­di­schen Bot­schaft in Ber­lin.

Doch was bedeu­tet neben einer femi­nis­ti­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zudem eine femi­nis­ti­sche Sicher­heits­po­li­tik und war­um ist sie wich­tig? Hier nimmt die UN-Reso­lu­ti­on 1325 aus dem Jahr 2000 eine ent­schei­den­de Rol­le ein. Die Reso­lu­ti­on erkennt an, dass beson­ders Mäd­chen und Frau­en von bewaff­ne­ten Kon­flik­ten betrof­fen sind. Zudem sol­len Mäd­chen und Frau­en ver­stärkt in Frie­dens­pro­zes­se mit ein­be­zo­gen wer­den. Doch bis­her sind nur 2,5 Pro­zent der offi­zi­el­len Ver­mitt­ler in Frie­dens­pro­zes­sen Frau­en. Der Anteil von weib­li­chen Sol­da­ten in UN-Mis­sio­nen beträgt nur vier Pro­zent. Sicher­heits­po­li­tik ist oft ein rela­tiv kon­ser­va­ti­ves und von Män­nern gepräg­tes Kon­flikt­feld. Dabei ist längst bewie­sen, dass weib­li­che Ver­mitt­ler Frie­dens­pro­zes­se wesent­lich för­dern. Wenn Frau­en eine essen­ti­el­le Rol­le bei Frie­dens­ge­sprä­chen haben, ist die Chan­ce ein Abkom­men aus­zu­han­deln 50 Pro­zent höher und die Beschlüs­se hal­ten zu 35 Pro­zent mehr Wahr­schein­lich­keit für die nächs­ten 15 Jah­re (Joana Roper vom Außen­mi­nis­te­ri­um Groß­bri­tan­ni­ens).

Noch viel mehr Argu­men­te und Hand­lungs­fel­der für eine femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik könn­ten hier genannt wer­den. Schwe­den beschloss sechs Haupt­zie­le, um ihre Gen­der­po­li­cy in der Außen­po­li­tik umzu­set­zen:

  • Die Stär­kung der Men­schen­rech­te
  • Kampf gegen Gewalt
  • Weib­li­che Betei­li­gung in Frie­dens­pro­zes­sen
  • Poli­ti­sche Betei­li­gung
  • Wirt­schaft­li­ches Empower­ment
  • Sexu­el­le und Repro­duk­ti­ve Rech­te

Nachholbedarf in Deutschland

Zwar ist das „Quer­schnitts­the­ma Frau­en“, laut Moi­ra Feil, Mit­ar­bei­te­rin des BMZ, in ca. 65% der Pro­jek­te der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ver­an­kert, aber spe­zi­el­le Work­shops zur Sen­si­bi­li­sie­rung wer­den für Arbei­ten­de im BMZ bis­her nicht ange­bo­ten. Auch über das Aus­wär­ti­ge Amt erfährt diplo­ma­ti­sches Per­so­nal kei­ne expli­zi­te Aus­bil­dung zur Berück­sich­ti­gung von Gen­de­ras­pek­ten bei Gestal­tung von Außen­po­li­tik. Anders als in Schwe­den, wo das The­ma in der Diplo­ma­ten­aka­de­mie behan­delt wird und in Kana­da, die ihre Sher­pas dahin­ge­hend expli­zit sen­si­bi­li­sie­ren. Im Zusam­men­hang mit Außen­po­li­tik wird der Begriff Femi­nis­mus in Deutsch­land tun­lichst noch ver­mie­den. Das könn­te dar­an lie­gen, dass Femi­nis­mus als Wort in Deutsch­land bei vie­len Men­schen nega­tiv behaf­tet ist, so die Über­le­gun­gen in einer Dis­kus­si­ons­run­de wäh­rend der Ver­an­stal­tung. Zudem wur­de viel über die Per­so­nal­po­li­tik in den, sich mit außen­po­li­ti­schen The­men beschäf­ti­gen­den Ämtern und Minis­te­ri­en, gespro­chen. Das Aus­wär­ti­ge Amt bemüht sich sehr dar­um, dass Neu­ein­stel­lun­gen pari­tä­tisch ver­ge­ben wer­den, so Karin Goe­bel, Lei­te­rin des Refe­rats Men­schen­rech­te und Gen­der­fra­gen im Aus­wär­ti­gen Amt. Doch trotz­dem sind bis­her nur 14 Pro­zent der deut­schen Bot­schaf­ter weib­lich. Zudem gab es in der Bun­des­re­pu­blik noch nie eine Außen­mi­nis­te­rin und Frau­en wür­den weni­ger häu­fig in den diplo­ma­ti­schen Dienst in Kri­sen­re­gio­nen ent­sandt. Da die­se Pos­ten als schwie­ri­ger gel­ten und dem­entspre­chend den Auf­stieg beför­dern, sei das ein ekla­tan­ter Nach­teil, kri­ti­siert Kris­ti­na Lunz vom Cent­re for Femi­nist For­eign Poli­cy. Ihr ist gen­der­ge­rech­te Per­so­nal­po­li­tik sehr wich­tig, aber sie müs­se auch dazu füh­ren, dass Frau­en in ihrem Amt Raum für Ver­än­de­run­gen und eige­ne Ide­en bekom­men: „Es geht nicht dar­um, Frau­en zu zäh­len, son­dern sicher zu stel­len, dass sie zäh­len.“

Ein wei­te­res The­ma in einer Dis­kus­si­ons­run­de war Deutsch­lands Kan­di­da­tur für einen nicht­stän­di­gen Sitz im Sicher­heits­rat 2019/20. Schwe­den bringt wäh­rend sei­nes nicht­stän­di­gen Sit­zes 2017/18 stets eine Gen­der­per­spek­ti­ve in die Dis­kus­sio­nen des Sicher­heits­ra­tes ein und schafft es bei vie­len Reso­lu­tio­nen, dass die­se dort mit ein fliest, so Johan Fri­sell, der Gesand­te und stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der schwe­di­schen Bot­schaft. Auf der Ver­an­stal­tung äußer­ten vie­le Teil­neh­men­den ihre Hoff­nung, dass Deutsch­land, falls es in den Sicher­heits­rat gewählt wür­de, sich eben­so sehr für Gen­der­the­men und Gleich­stel­lung ein­set­zen. Außer­dem for­der­ten sie die Gen­der­sen­si­bi­li­sie­rung stär­ker in die Aus­bil­dung diplo­ma­ti­schen Per­so­nal zu inte­grie­ren. Not­wen­dig ist dies für eine zeit­ge­mä­ße Aus­rich­tung der deut­schen Außen­po­li­tik auf jeden Fall.

Autorin­nen: Inga Chris­ti­na Mül­ler und Kath­rin Remus. 

Inga Chris­ti­na Mül­ler ist Bun­des­vor­stän­din der Deut­schen Gesell­schaft für die Ver­ein­ten Natio­nen (DGVN), hält einen Bache­lor-Degree in Inte­grier­ten Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, den sie Braun­schweig und Kris­ti­an­sand, Nor­we­gen erwarb und been­det der­zeit ihr Mas­ter­stu­di­um in Poli­tik­wis­sen­schaft mit Schwer­punkt auf inter­na­tio­na­le Poli­tik und Nor­men­for­schung an der Uni­ver­si­tät Pots­dam.

Kath­rin Remus stu­diert in Bre­men Poli­tik, hat an Model United Nati­ons (MUNs) teil­ge­nom­men und ist momen­tan Prak­ti­kan­tin der Deut­schen Gesell­schaft für die Ver­ein­ten Nati­on (DGVN).

6 Comments on “Außen- und Sicherheitspolitik feministisch gedacht: Die UN-Resolution 1325 als politische Praxis
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