Am UN-Hauptsitz

#ItsYourUN > Allgemein > Am UN-Hauptsitz

 

Die Zen­tra­le der Ver­ein­ten Natio­nen liegt in New York City am East River in Man­hat­tan. Mehr­fach besuch­ten wir das Gebäu­de sowie die benach­bar­ten DC-Tower im Rah­men unse­rer Stu­di­en­rei­se und hat­ten dort Gesprächs­ter­mi­ne. Aller­dings ist schon das Gebäu­de selbst, sind sei­ne Geschich­te und Ein­rich­tung neben den dort behei­ma­te­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten an sich inter­es­sant.

Dass der Haupt­sitz über­haupt in der Stadt New York ist, geht auf eine Spen­de des Mäzens Rocke­fel­ler zurück, durch die die Stadt das ehe­ma­li­ge Schlacht­hof­ge­län­de kau­fen konn­te. Zuvor waren ver­schie­de­ne ande­re Stand­or­te in Betracht gezo­gen wor­den, vor allem Green­wich in Con­nec­ti­cut nörd­lich der Stadt New York war in die enge­re Wahl gekom­men. Le Cor­bu­si­er und Oscar Nie­mey­er, zwei welt­be­kann­te Archi­tek­ten, waren mit dem Bau beauf­tragt wor­den, der in den 1950er Jah­ren für die Haupt­or­ga­ne der Ver­ein­ten Natio­nen, mit Aus­nah­me des Gerichts­hofs in Den Haag, geschaf­fen wur­de. Le Cor­bu­si­er hat­te sich schon an einem Wett­be­werb für den Völ­ker­bund­pa­last in den 1920er Jah­ren in Genf betei­ligt. Sein Ent­wurf wur­de zwar nicht umge­setzt, gilt aber bis heu­te als weg­wei­send für die moder­ne Archi­tek­tur. Der Deutsch-Bra­si­lia­ner Oscar Nie­mey­er ist ins­be­son­de­re bekannt gewor­den für sei­ne Pla­nung der Haupt­stadt Bra­si­lia.

Die Kom­plett­re­no­vie­rung der ver­gan­ge­nen Jah­re, der Capi­tal Mas­ter Plan, wur­de nach rund zehn­jäh­ri­ger Pla­nungs- und Umbau­zeit mitt­ler­wei­le abge­schlos­sen. Dabei wur­den in der Gar­ten­an­la­ge Con­tai­ner­ge­bäu­de auf­ge­stellt, in die Büros und Sit­zungs­räu­me umzie­hen muss­ten, damit das Gebäu­de voll­stän­dig geräumt wer­den konn­te. Die Reno­vie­run­gen wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr been­det und das Gebäu­de strahlt im neu­en Glanz, mit moder­ner Infra­struk­tur, aber in Stil und Design der 1950er Jah­re. In den öffent­li­chen Berei­chen, Foy­ers und Außen­an­la­gen sind zahl­rei­che reprä­sen­ta­ti­ve Geschen­ke der Mit­glieds­staa­ten aus­ge­stellt, so dass gera­de­zu der Ein­druck ent­steht, man bewe­ge sich in einem „leben­den Muse­um“, wie einer der Exkur­si­ons­teil­neh­mer anmerk­te.

Doch im Inne­ren der Büros sieht es viel­fach ganz anders aus: Um den gewach­se­nen Per­so­nal­zah­len und dem damit ein­her­ge­hen­den Platz­be­darf gerecht zu wer­den, wur­den im Zuge des Umbaus teil­wei­se die klas­si­schen Büro­zu­schnit­te auf­ge­ge­ben. Expe­ri­men­tiert wird nun mit ver­schie­de­nen Vari­an­ten offe­ner Büro­räu­me und Arbeits­be­rei­che, ver­bun­den mit abge­trenn­ten Bespre­chungs­räu­men und Stil­l­ar­beits­zel­len. Beein­dru­ckend war dabei die Ruhe, die trotz der vie­len Mit­ar­bei­ter in den Groß­raum­bü­ros herrsch­te. Auf den obers­ten Eta­gen des Secre­ta­ri­at Buil­dings befin­den sich die Büros des Gene­ral­se­kre­tärs sowie sei­nes Stabs, dem­entspre­chend gilt im UN-Sprach­ge­brauch der Hin­weis auf die 38. Eta­ge als Syn­onym für eine Ent­schei­dung oder Anwei­sung aus ebend­essen Büro. Im Rah­men unse­rer Rei­se freu­ten wir uns, die 37. Eta­ge besu­chen zu kön­nen, wo wir bei einem Mit­ar­bei­ter des Exe­cu­ti­ve Office to the Secreta­ry Gene­ral einen Ein­druck von der anste­hen­den Reform­agen­da mit ihren drei Haupt­säu­len Manage­ment­re­form, Reform des Ent­wick­lungs­be­reichs (Stich­wort Resi­dent Coor­di­na­tor) und des Bereichs Frie­den und Sicher­heit (Abtei­lung für Peace Kee­ping Ope­ra­ti­ons) erhiel­ten.

Zu der New Yor­ker UN-Zen­tra­le gehört wei­ter­hin die Dag Hammarsk­jöld-Biblio­thek, For­schungs- und Doku­men­ta­ti­ons­ein­rich­tung im Ver­bund der UN-Biblio­the­ken. Doch lei­der war kurz­fris­tig ein Besuch der Biblio­thek nicht mehr mög­lich.

Noch in der Pla­nung befind­lich ist ein wei­te­res Gebäu­de, das süd­lich des jet­zi­gen – exter­ri­to­ria­len – Gelän­des ent­ste­hen soll. Bis­her befin­den sich dort ein gro­ßer Ent­lüf­tungs­schacht der U-Bahn sowie ein öffent­li­cher Spiel­platz. Als Aus­gleich soll im Gegen­zug ein öffent­lich zugäng­li­cher Fahr­rad­weg ent­ste­hen, der im Bereich des nörd­li­chen Park­ge­län­des der UN als Durch­fahrts­weg zum East River die­nen soll.

Der exter­ri­to­ria­le Sta­tus des UN-Haupt­sit­zes in New York gehör­te zu den The­men, die bei dem Gesprächs­ter­min in der United Sta­tes Mis­si­on to the United Nati­ons (USUN) zur Spra­che kamen. Die US-Ver­tre­tung ist damit in einer dop­pel­ten Funk­ti­on: Einer­seits ist sie die diplo­ma­ti­sche Ver­tre­tung des Sta­te Depart­ments bei den Ver­ein­ten Natio­nen und nimmt damit die glei­che Rol­le ein wie die Ver­tre­tun­gen der ande­ren Mit­glieds­staa­ten. Ande­rer­seits sind die USA aber auch der Gast­staat und somit gehört die Gast­ge­ber­rol­le zu den Auf­ga­ben der US-Mis­si­on. Eine eige­ne Abtei­lung küm­mert sich dort um die Sitz­staat­fra­gen und damit ver­bun­de­nen pro­to­kol­la­ri­schen und ver­trag­li­chen Ange­le­gen­hei­ten.

Die New Yor­ker Bevöl­ke­rung nimmt die Prä­senz der Ver­ein­ten Natio­nen in ihrer Stadt rela­tiv wenig wahr – das wur­de in den ver­schie­de­nen Gesprä­chen immer wie­der erwähnt. Unter­schied­li­che Erklä­rungs­an­sät­ze wur­den dafür gelie­fert: der Stand­ort sei eher unauf­fäl­lig und ent­fernt vom Zen­trum Man­hat­tans, es gebe noch nicht ein­mal eine eigens nach der UN benann­te U-Bahn-Sta­ti­on – wie eine deut­sche UN-Mit­ar­bei­te­rin beton­te – und die Ver­tre­tun­gen hät­ten ihre eige­nen Gast- und Kul­tur­pro­gram­me. Zwar ver­sucht Unter ande­rem über ein Jugend­pro­gramm mit der Stadt New York wird ver­sucht, der loka­len Bevöl­ke­rung die UN-Akti­vi­tä­ten nahe­zu­brin­gen. Den­noch gehö­ren die Straf­man­da­te für Geschwin­dig­keits­über­tre­tun­gen und Falsch­par­ken von Diplo­ma­ten zu den sicht­bars­ten und meist­ge­nann­ten The­men in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung.

Der Stand­ort New York und ein mög­li­cher Orts­wech­sel tau­chen über die Jah­re immer mal wie­der als The­ma auf, erfah­ren wir sowohl bei der US-Ver­tre­tung als auch bei der Schwes­ter­ge­sell­schaft der DGVN, der United Nati­ons Asso­cia­ti­on USA / UN Foun­da­ti­on. Grün­de sei­en die Kos­ten, Schwie­rig­kei­ten, US-Visa zu erhal­ten oder zuletzt die nega­ti­ve Hal­tung der US-Regie­rung unter Prä­si­dent Trump. Auch die gro­ße kul­tu­rel­le Spal­tung inner­halb der USA, ins­be­son­de­re zwi­schen Küs­ten­re­gio­nen und Bin­nen­land, tritt bei die­ser Fra­ge deut­lich her­vor. Doch den Kri­ti­ken zum Trotz sieht die ame­ri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung ihr Land grund­sätz­lich in der Rol­le eines wich­ti­gen Gestal­ters der welt­wei­ten Nach­kriegs­ord­nung und somit im Ein­ver­ständ­nis mit der UN in ihrem Land. Und auch öko­no­misch kön­nen die New Yor­ker auf eine erfreu­li­che Bilanz bli­cken: Die Ver­tre­ter der UNA-USA wei­sen ger­ne dar­auf hin, dass die UN Com­mu­ni­ty mehr zur loka­len Wirt­schaft bei­trägt, als es sie­ben Super Bowls pro Jahr täten.

So ist das UN-Haupt­ge­bäu­de in New York nicht nur die glo­ba­le Macht­zen­tra­le der Orga­ni­sa­ti­on, son­dern steht auch für ihre Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen sie­ben Jahr­zehn­te und spie­gelt viel­fäl­ti­ge Facet­ten an ihrem Stand­ort wider.

Katha­ri­na Mül­ler

Die Infor­ma­tio­nen und Ein­drü­cke gene­rier­ten sich aus ver­schie­de­nen Gesprächs­ter­mi­nen wäh­rend der DGVN-Rei­se in New York sowie wei­ter­füh­ren­der Unter­la­gen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

20 + acht =